Epilierer richtig anwenden: Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Aktualisiert am:
- Lisa Hartmann
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Der Kampf mit den Pinzetten
Kennst du das? Du kaufst einen teuren Epilierer, packst ihn voller Vorfreude aus, setzt ihn an die Wade – und aua. Nach zwei Minuten wandert das Gerät ganz tief in die hinterste Schublade. Schade eigentlich. Denn wenn man weiß, wie es geht, ist Epilieren ein echter Gamechanger. Als Kosmetikerin sehe ich fast täglich die typischen „Zupf-Unfälle“. Rote Pusteln, abgebrochene Haare, blaue Flecken. Höchste Zeit also für Klartext. Wenn du deinen Epilierer richtig anwenden: Schritt-für-Schritt-Anleitung suchst, bist du hier goldrichtig. Diese Methode rettet dir buchstäblich die Haut.
Lisa Hartmann, Kosmetikerin Ein Epilierer ist kein Rasierer. Er verzeiht keine Hektik. Gib ihm Zeit, und er gibt dir vier Wochen Ruhe.
Schritt 1: Die Vorbereitung (Das A und O)
Die meisten werfen das Gerät an, sobald sie morgens aus dem Bett fallen. Ein riesiger Fehler. Deine Poren sind noch geschlossen, die Haare sitzen fest im Follikel. Das tut WIRKLICH weh. Mein Rat: Geh vorher ausgiebig warm duschen oder baden. Warmes Wasser weicht die Haut auf und öffnet die Poren. Das Haar löst sich viel leichter.
Noch besser? Ein sanftes Peeling. Das entfernt abgestorbene Hautschüppchen, die den Haarkanal blockieren könnten. Wer das regelmäßig macht, hat später deutlich weniger Ärger mit eingewachsenen Haaren.

Schritt 2: Auf die Länge kommt es an
Zu kurze Haare greifen die kleinen rotierenden Pinzetten nicht. Sie rutschen einfach ab. Zu lange Haare? Die werden oft nur schmerzhaft abgerissen, statt an der Wurzel gepackt zu werden. Das Resultat sind kratzige Stoppeln nach schon drei Tagen.
Die ideale Haarlänge für den Epilierer liegt bei 2 bis 5 Millimetern. Das entspricht etwa dem Haarwuchs von drei bis vier Tagen nach der letzten Rasur. Wenn deine Haare länger sind: Nimm vorher einen Trimmer. Viele Epilierer haben dafür sogar einen speziellen Scherkopf-Aufsatz im Set.
Schritt 3: Der perfekte Winkel
Hier scheitern 80 Prozent meiner Kundinnen. Der Epilierer MUSS exakt im 90-Grad-Winkel zur Haut stehen. Nicht kippen! Wenn du ihn wie einen Nassrasierer schräg über die Haut ziehst, klemmst du dir im schlimmsten Fall die Haut ein.
Und dann: Langsam. Wirklich extrem langsam. Gegen die Wuchsrichtung. Wer das Teil in drei Sekunden über die Wade zieht, erwischt nichts. Die Pinzetten brauchen Zeit, um die Haare aufzustellen, zu greifen und sauber herauszuziehen. Die optimale Geschwindigkeit? Ungefähr 15 Sekunden vom Knöchel bis zum Knie.



Meine Checkliste für weniger Schmerzen
- Haut straffen
Das Wichtigste überhaupt. Ziehe die Haut mit der freien Hand glatt. Je straffer, desto weniger zwickt es.
- Wet & Dry nutzen
Wenn dein Epilierer wasserfest ist, nutze ihn unter der Dusche. Wasser lindert das Schmerzempfinden.
- Abends epilieren
Mache es vor dem Schlafengehen. So kann sich die gereizte Haut über Nacht in Ruhe erholen.
- Massage-Aufsätze
Viele Geräte haben Rollen, die die Haut vor dem Zupfen stimulieren. Das irritiert die Nerven und lenkt vom Schmerz ab.
Schritt 4: Die Königsdisziplin Nachsorge
Manchmal fragen mich Leute, ob sie nicht doch lieber einfach rasieren sollen. Klar, das geht schneller. Aber für die Tiefe der Argumente schau dir am besten mal unseren ehrlichen Vergleich Epilierer oder Rasierer an. Wenn du dich fürs Epilieren entschieden hast und fertig bist: Deine Haut wird jetzt aussehen wie ein roter Streuselkuchen.
Keine Panik. Rote Punkte sind völlig normal, da die Haarwurzeln stark durchblutet waren. Was jetzt zählt: Kühlen und beruhigen. Verzichte unbedingt auf parfümierte Bodylotions! Die brennen wie Feuer. Greife stattdessen zu reinem Aloe Vera Gel oder einer milden Panthenol-Salbe. Auch Experten der Stiftung Warentest raten explizit, direkt nach dem Epilieren auf Solarium, enge Jeans oder chlorhaltiges Wasser zu verzichten, um Entzündungen der offenen Follikel strikt vorzubeugen.

Warum Regelmäßigkeit siegt
Ehrlich gesagt: Das erste Mal ist fies. Das zweite Mal ist okay. Ab dem dritten Mal spürst du fast nichts mehr. Warum? Weil Haare in unterschiedlichen Zyklen wachsen. Wenn du regelmäßig (alle 2 bis 3 Wochen) epilierst, entfernst du immer nur einen Bruchteil der Haare gleichzeitig.
Zudem wachsen die neuen Haare viel feiner und weicher nach. Sie haben nicht mehr diese harte, stumpfe Kante wie nach einer Rasur. Die Wurzel sitzt auch nicht mehr so fest im Gewebe.
Mein Fazit: Dranbleiben lohnt sich
Epilieren erfordert etwas Übung. Und anfangs definitiv Überwindung. Aber der Aufwand zahlt sich massiv aus. Wer die Technik einmal raus hat und die Haut richtig vorbereitet, will meist nie wieder zurück zur lästigen täglichen Rasur. Nimm dir beim nächsten Mal einfach 10 Minuten mehr Zeit. Bereite die Haut vor, halte den 90-Grad-Winkel und straffe das Gewebe. Du wirst den Unterschied spüren. Versprochen.

